Inklusive Wohngemeinschaft für autistische Menschen mit Persönlichem Budget

autismus Bayern

Da im  Großraum München für Sozialhilfeempfänger Wohnraum erst nach mehrjähriger Wartezeit und dann meist in schlechter Qualität zur Verfügung steht, hat die Vorsitzende des Vereins ihr Wohnhaus für die WG zur Verfügung gestellt und vermietet an die Bewohner einzeln zu einem weit unter dem ortsüblichen Mietpreis liegenden Preis, da die meisten der Bewohner auf die Mietzahlung durch das Sozialamt angewiesen sind. In einem normalen Wohngebiet in einem geringfügig umgebauten Wohnhaus leben 5 Menschen, eine Frau ist eine Studentin aus Korea, vier sind autistisch. Zwei autistische Frauen sind zusätzlich körperbehindert, eine  zusätzlich sehbehindert. Zwei Männer sind autistisch, einer braucht und erhält Betreuung, einer probiert auf eigenen Wunsch, ohne Betreuung auszukommen.

Daher ist auch keine nach “Hilfebedarf” sortierte Gruppe im Haus, sondern jeder kann so viel Hilfe bekommen, wie er benötigt. Die koreanische Studentin bringt ebenso wie die Assistenzkräfte den Umgang mit “normalen” Menschen ins Haus. Da die autistischen Menschen nicht in eine WG mit überwiegend nichtbehinderten Menschen ziehen konnten, da sie diese als zu anstrengend empfinden, haben sie nun eine WG, die auf die Bedürfnisse von autistischen Menschen eingestellt ist, aber gleichzeitig für nichtautistische Menschen offen steht. Es kommen daher auch regelmäßig nichtautistische Freunde der autistischen Menschen zu Besuch. Mit Unterstützung bestimmen die autistischen Menschen, welche Hilfen sie von welchen der Assistenzkräfte zu welcher Zeit bekommen.

Kontakt:

autismus Oberbayern
Dr. Nicosia Nieß
mail@autismus-oberbayern.de

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PIKSL mobil

PIKSL mobil

Grundidee des PIKSL mobil Angebots ist die digitale Teilhabe von Menschen mit so genannter geistiger Behinderung und hohem Unterstützungsbedarf, die in stationären Wohneinrichtungen leben.

Bereits im Jahr 2011 eröffnete in Düsseldorf das PIKSL Labor, ein Ort zum Abbau digitaler Barrieren im Umfeld von Menschen mit Behinderung. Klientinnen und Klienten des Trägers In der Gemeinde leben, haben die Idee des PIKSL Labors damals angestoßen, um am digitalen Wandel gleichermaßen wie Menschen ohne Einschränkungen partizipieren zu können. Aufgrund der positiven Resonanz, die das PIKSL Labor Angebot ausgelöst hat, haben Nutzerinnen und Nutzer des Labors im Jahr 2014 den Vorschlag für ein mobiles PIKSL Angebot eingebracht.

Menschen, die aufgrund ihrer hohen Einschränkungen den Ort PIKSL Labor nicht ohne Weiteres besuchen können, soll durch das mobile PIKSL Angebot digitale Teilhabe vor Ort ermöglicht werden. In Zweierteams, bestehend aus einem PIKSL Assistenten und einem PIKSL Dozenten (Mensch mit kognitiven Einschränkungen), werden wöchentlich drei stationäre Einrichtungen des Trägers In der Gemeinde leben besucht. Die Teams sind mit Tablet PCs und wenn erforderlich, mit mobilen Internetzugang ausgestattet. Die Tablet PCs eignen sich durch ihre intuitive Benutzeroberfläche hervorragend dafür, auch Menschen mit einer so genannten schweren geistigen Behinderung Teilhabe an der Welt der neuen Medien zu ermöglichen.

Das Angebot der PIKSL mobil Teams kann als niederschwelliges und selbstwirksames Freizeitangebot bezeichnet werden, das Barrieren abbaut und Menschen mit hohen Unterstützungsbedarf mit Technik in Kontakt bringt. Der PIKSL Gedanke, dass Menschen nicht danach beurteilt werden sollen, was sie nicht können, sondern danach, welche Fähigkeiten sie besitzen, ist stets die Grundlage dieses Konzepts. Des Weiteren verfolgt das Angebot den Peer Counseling Ansatz durch den Einsatz von PIKSL Dozenten mit kognitiven Einschränkungen, die ihr Wissen im Umgang mit neuen Medien an die Teilnehmer des PIKSL mobil Angebots weitergeben.

 

Kontakt:

In der Gemeinde leben gGmbH, PIKSL
Tobias Marczinzik
tobias.marczinzik@igl-duesseldorf.de

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gut2 – Artesisches Quellwasser aus dem Naturpark Aukrug

Hohenwestedter Werkstatt

Nicht weit von der Hohenwestedter Werkstatt entfernt, auf der Nindorfer Eggernwiese, wo vor 1200 Jahren die Teutonen und Kimbern hausten, sprudelt Wasser aus dem Boden – die Kimberquelle. Eiszeitliche geologische Verschiebungen führten dazu, dass hier ein ganz besonderes Wasser zu Tage tritt. Aus großen Tiefen kommen auf der von der Hohenwestedter Werkstadt gepachteten Wiese stündlich 12 m³ artesisches Wasser von ganz alleine mit leichtem Druck an die Erdoberfläche. Artesisches Wasser – auch lebendiges Wasser genannt – entspringt aus abgeschlossenen Gesteinskammern und hat häufig mehrere Hundert Jahre lang, keinerlei Kontakt zur Luft und Umweltgiften gehabt. Es gilt als sehr rein und mineralreich und viele Naturwissenschaftler, Ärzte und Experten schreiben dem artesischen Wasser gesundheitsfördernde Wirkung zu.

Die Hohenwestedter Werkstatt füllt dieses artesische Wasser unter dem Namen gut2 ab und vermarktet es im Biohandel und hochwertiger Gastronomie. Mitten im Naturpark Aukrug in Schleswig-Holstein ist ein in die Umgebung passendes Abfüll- bzw. Informationshaus gebaut worden. Dort arbeiten gemeinsam Menschen mit und ohne Behinderung (ca. 12 Personen). Unter strengen Hygieneauflagen werden mit einer halbautomatischen Anlage ca. 1000 Flaschen/Stunde in einem angepasstem Arbeitstempo abgefüllt. Auf dem 2,5 ha großem Gelände sind Gäste gerne willkommen. In einem Informationszentrum können sich Interessierte über ökologische Aspekte des Wassers und der Umgebung informieren und in die gläserne Abfüllung während der Produktion schauen.

Bei der Produktion wird auf Biostandards gesetzt. Kein Kontakt mit Kunststoffleitungen, keine UV- bzw. Ozonbehandlung des Wassers, …

Die Wasserquelle spendet weiterhin den Großteil ihres Wassers der Natur.

Durch die Abfüllung wird nur ein kleiner Teil des Artesers entnommen.

Die ökologische Nachhaltigkeit ist wesentlicher Teil des Projektes.

Kontakt:

gut2 – Hohenwestedter Werkstatt
Björn Ott
bjoern.ott@hohenwestedter-werkstatt.de

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Ambulant Begleitetes Wohnen im Mehrgenerationen-Wohn-Projekt

mehrgenerationen

Menschen mit Behinderung sollen frei wählen können, wo, wie und mit wem sie zusammen leben und wohnen möchten, unabhängig vom Schweregrad ihrer Behinderung. Gleichzeitig gilt es neben den reellen baulichen Barrieren auch Berührungsängste gegenüber Menschen mit komplexen Behinderungen abzubauen, um so ein gemeinsames Miteinander und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben überhaupt erst zu ermöglichen. Die Grundidee des ABW im Mehrgenerationen-Wohnprojektes war es, ein eigenständiges Wohnen für Menschen, die eine „rund-um-die Uhr-Betreuung“ brauchen zu schaffen. Denn noch häufig sind die Wohnmöglichkeiten dieses Personenkreises hauptsächlich auf stationäre Angebote ausgerichtet.

Das Ambulant Begleitete Wohnen der Reha-Südwest im Mehrgenerationen-Wohnprojekt „Quartier am Albgrün“ bietet Menschen mit einem sehr hohen Pflege- und Hilfebedarf die Möglichkeit, als Nachbarn unter Nachbarn zu wohnen. Alle, die in diesem Quartier wohnen, verbindet der Wunsch nach sozialem, gemeinschaftlichem und ökologischen Wohnen. Jung und Alt, mit oder ohne Behinderung gestalten das soziale Miteinander. Das Mehrgenerationen-Wohnen Quartier am Albgrün bietet genau dafür alle Voraussetzungen. Es leben dort Menschen aller Altersgruppen, für welche ein gemeinsames Miteinander wichtig ist. Sie möchten zusammen wohnen und gemeinschaftlich leben. Die Bewohner lernen sich nach und nach kennen, sie feiern gemeinsame Feste, organisieren sich in unterschiedlichen Arbeitsgemeinschaft, bringen sich ein mit ihren Stärken und Schwächen, um sich auch gegenseitig zu unterstützen.

Hier sind Menschen mit Behinderung ein selbstverständlicher Teil der Gemeinschaft. Sie können sich ebenfalls einbringen, so wie sie es möchten und es ihnen mit ihren Einschränkungen möglich ist. Sie erfahren hier Akzeptanz und Wertschätzung von ihrem Umfeld. Die Gemeinschaft des Mehrgenerationen-Wohnprojektes ermöglicht daher auch Menschen mit hohem Pflege- und Hilfebedarf mehr selbstbestimmte Teilhabe. Das Miteinander in diesem Projekt ist ein sanfter Weg in Richtung inklusive Gesellschaft.

Manchmal benötigt es einfach nur etwas Zeit und Raum bis verschiedene Menschen miteinander ins Gespräch kommen. Sind die Kontakte einmal geknüpft, können Menschen mit und ohne Behinderung immer selbstverständlicher in Vielfalt zusammen leben – als mitMenschen unter ziemlich besten Freunden eben. Mut tut gut! Nachmachen ist hier ausdrücklich erwünscht!

Kontakt:

Reha-Südwest für Behinderte gGmbH
Annette Diringer
annette.diringer@reha-suedwest.de

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Kursangebot: Selbständiges Leben für junge Erwachsene mit Beeinträchtigung

Ausflug Heidelberg I

Grundidee des Kurses ist es, junge Erwachsene mit geistiger Behinderung, die noch zu Hause in ihren Familien leben, auf ihrem Weg in ein möglichst selbstständiges Leben zu unterstützen. Nachdem Eltern von Jugendlichen mit Behinderung den Wunsch nach einem ambulanten Angebot an die AD Bergstraße der Stiftung Nieder-Ramstädter Diakonie (NRD) herangetragen hatten, wurde ein zehnteiliger Kurs für junge Erwachsene zwischen 18 und 30 Jahren konzipiert.

Der zeitliche Rahmen: Zehn monatliche Treffen von jeweils vier Stunden.

Die Inhalte: Einkaufen, Kochen, (besondere Ernährungsweisen wie glutenfrei, laktosefrei, vegetarisch, vegan) Wäschepflege, Wohnungsreinigung, Nutzung von ÖPNV und Internet, Zukunftsplanung, Sexualität, Umgang mit Alkohol, Besprechung von zwischenmenschlichen Schwierigkeiten, politische Bildung sowie eine sechstägige Bildungsreise.

Eins der wichtigsten Ziele des Kursangebotes ist es, Menschen mit einer geistigen Behinderung das Recht auf Bildung gemäß Artikel 24 des Übereinkommens über die Rechte von Menschen mit Behinderung langfristig anzubieten. Die Mitarbeiterin Marion Gengenbach setzt sich sehr aktiv dafür ein, das Bewusstsein hierfür in der Öffentlichkeit und im NRD-KollegInnenkreis zu schärfen. Teil des Konzeptes ist es von Anfang an, dass studentische Hilfskräfte mitarbeiten, die nicht nur bei der Durchführung der Kurse und Exkursionen, sondern auch bei der Planung mitwirken. So sollen stetig  “junge Sichtweisen” in die Arbeit einfließen, außerdem wird dadurch das gegenseitige Kennenlernen zwischen Gleichaltrigen mit und ohne Behinderung gefördert.

Als Ziele der Arbeit wurden ins Auge gefasst:

  • Junge Erwachsene mit Behinderung zu ermutigen, altersgerechte Schritte zu tun: zu Hause ausziehen, selbstständiger werden, neue Freundschaften schließen, unabhängiger von den Eltern werden, eigene Ziele formulieren und zu lernen, diese auch zu verfolgen.
  • Eltern von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Behinderung zu zeigen, dass sie es wagen dürfen, ihr Kind loszulassen und ihm ein Leben mit mehr Selbstbestimmung zuzutrauen.
  • Inklusion durch Teilnahme am regionalen (Veranstaltungen in der Region) und überregionalen  (Besuch z.B. im Bundestag, Bundesrat, Europaparlament) Leben in der „normalen“ Bevölkerung.

Kontakt:

Stiftung Nieder-Ramstädter Diakonie
Simone Liesenberg
Simone.Liesenberg@nrd.de

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Projekt Inklusion und Psychosoziale Unterstützung durch Genesungsbegleiter (EX-IN)

einige ex-in teilnehmerinnen mit kursleitung

EX-IN bedeutet die Beteiligung Psychiatrieerfahrener (Experten durch Erfahrung) an einem Genesungsprozess von psychisch kranken Menschen. Das Projekt ist offen für Menschen mit allen psychiatrischen Diagnosen. Ziel von EX-IN im Lahn-Dill-Kreis ist die Ausbildung von Menschen mit einer seelischen Behinderung zum Genesungsbegleiter und die spätere Einstellung geeigneter Genesungsbegleiter durch Leistungserbringer im Lahn-Dill-Kreis.

Es geht um die Schaffung und Erprobung neuer Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderungen und die Etablierung eines neuen Ansatzes psychosozialer Begleitung. Das erste Projektjahr beinhaltet die Ausbildung mit 12 Modulen, 2 Praktika und die Erstellung eines individuellen Portfolios. Abschluss erfolgt mit einem Zertifikat. Wir sind zertifiziert nach AZAV. Im zweiten Projektjahr erfolgt die Einstellung geeigneter Genesungsbegleiter bei Trägern aus dem gemeindepsychiatrischen Umfeld. Einsatzmöglichkeiten bieten u.a. Kliniken (Peer-Beratung), Betreutes Wohnen, Tagesstätten, Werkstätten und Beratungsstellen. Spätere Arbeitgeber sind in beide Projektphasen einbezogen, die Genesungsbegleiter erhalten eine spezielle Unterstützung und ein Jobcoaching.

Es erfolgt eine wissenschaftliche Begleitung und eine Auswertung der Ergebnisse unter Beteiligung des Sozialpsychiatrischen Dienstes mit einer Empfehlung zur weiteren Beschäftigung der Genesungsbegleiter. Wir initiieren zur Zeit in Kooperation Beschäftigungsmöglichkeiten für die Genesungsbegleiter: Ein Teilhabezentrum und ein eigener Dienst “Genesungsbegleitung” von und für Betroffene.

Kontakt:

Verein Soziale Inklusion e.V.
Rainer Kah
rainer.kah@soziale-inklusion.com

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BAU-ART

BAU-ART TV

Das Projekt BAU-ART des Club Aktiv Trier fußt auf dem Leitbild eines gleichwertigen, selbstbestimmten Lebens von Menschen mit und ohne Unterstützungsbedarf in Gemeinschaft. Das Leitbild des Club Aktiv als Selbsthilfeorganisation in Gemeinschaft behinderter und nichtbehinderter Menschen unterscheidet sich von einem defizit- und daraus folgenden kompensationsorientierten Verständnis grundsätzlich  durch den Gedanken des Empowerments. Empowerment („Ermächtigung“) steht für „einen Prozess, in dem Betroffene dabei unterstützt werden, ihre Angelegenheiten (wieder) selbst in die Hand zu nehmen, sich ihrer Fähigkeiten bewusst zu werden, eigene Kräfte zu entwickeln und soziale Ressourcen zu nutzen. Leitperspektive ist die selbstbestimmte Bewältigung und Gestaltung des eigenen Lebens.“ (Theunissen/Plaute, 1995).

Die Grundidee für das Projekt BAU-ART des Club Aktiv setzt dabei an, Menschen mit unterschiedlichen diagnostizierten psychischen Störungen dabei zu unterstützen, berufliche Orientierung, Qualifizierung und Integration in ein berufliches Umfeld als wichtige Säulen für ihr selbstbestimmtes Leben zu gestalten. Auf dem Weg zu diesem Ziel nutzt das Projekt BAU-ART die kunsthandwerkliche/kreative Gestaltung für öffentliche Einrichtungen (Schulen, Bibliotheken, JugendTreffs, Gemeindezentren etc.), die die Teilnehmenden mit Unterstützung von Fachleuten in einer Gruppe ausführen. Kunst wird bei BAU-ART als motivierendes, ressourcenorientiertes Mittel eingesetzt. Dadurch können unbekannte Ressourcen und Potenziale der Teilnehmenden entdeckt bzw. aktiviert werden. Die Arbeit an einem beständigen Ergebnis trägt zur Selbstwertsteigerung der Teilnehmer bei, insbesondere auch da sie durch die kreative Gestaltung im öffentlichen Raum Aufmerksamkeit von außen und gesellschaftliche Anerkennung erfahren.

Das Projekt BAU-ART richtet sich an Langzeitleistungsbeziehende gemäß SGB XII. In der BAU-ART-Gruppe sind Teilnehmende mit den unterschiedlichsten Diagnosen vertreten, z.B. Angststörungen, Persönlichkeitsstörungen, Alkoholabhängigkeit und Polytoxikomanie, Depressionen, Schizophrenien, Impulskontrollstörungen sowie Lernschwierigkeiten. Die Betroffenen weisen i.d.R. weitere Hemmnisse für die berufliche Qualifikation und Erwerbstätigkeit auf, wie z.B. fehlende Berufsausbildung, eingeschränkte Fähigkeiten in den beruflichen Basiskompetenzen (Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Durchhaltevermögen und Leistungsfähigkeit), Schuldenproblematik, Vorstrafen und körperliche Beeinträchtigungen.

Kontakt:

Club Aktiv gGmbH
Matthias Spartz
spartz@clubaktiv.de

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Aktionsjahr “Bildung für alle”

Logo Bildung für alle 2016

Mit dem Aktionsjahr „Bildung für alle“ setzt die Neuerkeröder Wohnen und Betreuen GmbH ein Zeichen für eine inklusive Bildungslandschaft sowie einen Arbeitsmarkt, der ausnahmslos allen Menschen offensteht. Von der Wohnen und Betreuen GmbH werden 1000 Menschen mit Behinderung betreut. Im Dorf Neuerkerode wohnen 740 Bürgerinnen und Bürger (unter Mitwirkung der Bürgervertretung selbst gewählter Begriff) mit Behinderung. Darüber hinaus bestehen weitere Wohnangebote in der Gemeinde Sickte, in Braunschweig, Wolfenbüttel und Königslutter. Immer wieder begegnet uns das Wort von der „Bildungsgesellschaft“, sogar von einer „Bildungsrepublik Deutschland“ ist hier und da zu lesen.

Worauf aber wollen diese Wortschöpfungen eigentlich hinaus? Formulieren sie eine reale Wirklichkeit oder eher einen entfernten Anspruch? Letztlich ist das eine Frage des Blickwinkels; fest steht aber eines: Bildung ist ein hohes Gut, das allen in unserer Gesellschaft lebenden Menschen zugänglich sein sollte, denn Bildung ist die Grundvoraussetzung für das Zusammenleben und die Zusammenarbeit von Menschen. Bildung ist weiterhin eine entscheidende Bedingung dafür, dass sich Menschen für die eigenen und für die Rechte anderer einsetzen können. Denn vor allem ist Bildung auch dies: ein fundamentales Recht, verankert in den Internationalen Menschenrechten, im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland und auch – das muss nicht erst betont werden – in der UN-Behindertenrechtskonvention, nach der behinderte Menschen als gleichberechtigte Menschen betrachtet und geachtet werden.

Die Zugänge zu Bildung sind vielfältig und je nach Lebenssituation mit unterschiedlichen Bedingungen verknüpft. Ein wesentliches Erfolgskriterium von Bildung liegt schließlich darin, welche Möglichkeiten sich für den einzelnen Menschen ergeben, den Einstieg in das Berufsleben zu finden und sich auf dem Arbeitsmarkt zu behaupten. Nicht zuletzt ist Lernen auch eine hervorragende Freizeitbeschäftigung, kann und soll vor allem Spaß bedeuten und die erzielten Bildungserlebnisse führen häufig zu wahren Glücksempfindungen. In zahlreichen Aktionen, Veranstaltungen und Aktivitäten sind alle Interessierten dazu eingeladen, diesen Gedanken zu leben und die „Bildungsgesellschaft“ ein Stück weit erfahrbar zu machen. Das Programm umfasst Themen wie: Umwelt und Natur, Geschichte, politische Bildung, Alltagswissen, Kunst und Kultur sowie spezifische Angebote für demenziell erkrankte Bürgerinnen und Bürger.

Kontakt:

Neuerkeröder Wohnen und Betreuen GmbH
Christian Vaterodt
christian.vaterodt@neuerkerode.de

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Spurensuche – Schicksale von Menschen mit Behinderungen in der NS-Zeit

Werte sortieren Lüneburg

 

Das Projekt „Spurensuche“  begann mit Künstlerplakaten des Lauenburgischen  Kunstvereins zum Volkstrauertag, um dem zunehmend rechtsorientierten Gedenken dieses Tages als Heldengedenktag etwas entgegen zu setzen. Die Kulturwerkstatt des Lebenshilfewerks (LHW) Mölln-Hagenow hatte ursprünglich vor, mit Teilnehmern ebenfalls ein Künstlerplakat zu entwerfen. Mit der Auseinandersetzung zum Thema: “Braucht es Denkmale?” “Wer ist ein Held?” tauchten weitere Fragen auf: An wen soll gedacht werden? – “Nur” an die gefallenen Soldaten oder auch noch an andere Opfer – Wer sind andere Opfer bzw. Opfergruppen? So war es nur  folgerichtig, sich auch mit der Geschichte der Euthanasie und Zwangssterilisierung von sogenannten “unerwünschten Menschen/unerwünschten Lebens” auseinander zu setzen.

Das unerwartet große Interesse von Menschen mit Behinderungen, sich mit ihrer Geschichte und der gesellschaftlichen Wahrnehmung zu befassen, führte dazu, weitere Workshops zu ermöglichen.

In Workshops begaben sich die Teilnehmer auf Spurensuche in die Zeit der NS-Geschichte, in Stadt und Kreisarchiven, in Museen und in Gedenkstätten. Postkarten aus Meseritz-Obrawalde  die vom Tod zweier Möllner Bürger berichtet; Tötungsanstalten in ganz Deutschland; Kindereuthanasie in Kinderfachkliniken; eine Akte eines  junges Mädchen, das zwangssterlilisiert wurde, zu der eine Dokumentation entstand. Eigene Ausgrenzungs-Erfahrungen und immer wieder das nachträgliche Entsetzen mit der Frage – wie konnte das alles passieren?

Dazu kommt die Auseinandersetzung mit der Gegenwart – wie ist es heute – und wo steuern wir in Zukunft hin: Pränatale Vorsorgeuntersuchungen und genetische Forschung? Sind wir wieder auf dem Weg zum perfekten Menschen? Mit einer öffentlichen Gedenkfeier am 27. Januar 2016, gemeinsam mit dem Museum Alte Synagoge Hagenow, beleuchteten wir sieben unterschiedliche Schicksale in der NS-Zeit, berichteten über unsere Workshop-Ergebnisse und warfen einen kritischen Blick in die Zukunft.  Eigentlich sollten damit die Workshops beendet sein, doch von den bisherigen TeilnehmerInnen sind weitere Workshops angefragt. Somit sind weitere Planungen entstanden:

Aufbereitung der Dokumentation zur Zwangsterilisation in leichter Sprache, eine Fahrt nach Meseritz-Obrawalde (heute Polen) auf den Spuren der Möllner Postkarten, eine Fahrt nach Berlin u. a. zur der Gedenkstätte Aktion T4, eine Fahrt nach Alt Rehse (Erinnerungs-, Bildungs- und Begegnungsstätte)  dem ehemaligen Schulungsort für NS-Ärzte und Hebammen, weitere exemplarische Aktenforschung zur NS-Zeit und Aufarbeitung von Schicksalen von Menschen mit einer Behinderung sowie weitere Workshops mit Schülern und Konfirmanden zur Ausgrenzungs-Problematik – Gestern und Heute.

Kontakt:

Lebenshilfewerk Mölln-Hagenow gGmbH
Almuth Grätsch
agraetsch@LHW-zukunft.de

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Blinde Masseurin erhöht die Lebensqualität von Menschen mit Behinderung

Steffi Zimmer

Die Grundidee besteht erst einmal darin, einem Menschen mit Behinderung als Fachkraft fest als gleichberechtigte Kollegin einzustellen und somit auf dem ersten Arbeitsmarkt zu etablieren. Die durch die Blindheit besonderen und sensiblen Fähigkeiten (Einfühlungsvermögen, Sensibilität, taubblindenspezifische Kommunikation etc.) zu nutzen und zu übertragen und dadurch die Lebensqualität Frau Zimmers und der Bewohner des Hauses “Dorothea” zu erhöhen. Der Unterschied zwischen dem Angebot von Frau Zimmer und einer medizinisch notwendigen Physiotherapiebehandlung ist ganz einfach. Die Behandlung durch einen Physiotherapeuten verfolgt ein medizinisches Ziel, Erhalt oder Verbesserung der Motorik etc. Frau Zimmers Angebot hat zum Ziel, das körperliche und seelische Wohlbefinden zu steigern. Hier geht es um Massagen, Berührung, basale Stimulation als besonderes Angebot für taubblinde, hörsehbehinderte, mehrfachbehinderte junge Erwachsene.

Für uns als Einrichtung war es wichtig Schritt für Schritt und in Kooperation gemeinsam zu gehen und immer das umzusetzen was für den jetzigen Moment gerade gefühlt wichtig ist. Das kann ich nur jedem Arbeitgeber empfehlen, der dieses Experiment in Eigeninitiative umsetzen möchte. Es ist ein Zahnradexperiment, das Enthusiasmus, Verrücktheit, Mut, Fachlichkeit, Ausdauer, Achtung und Beharrlichkeit aber vor allem Freude voraussetzt. Ich und alle beteiligten Personen sind gern bereit, die Erfahrungen und unser neu erworbenes Wissen an andere Träger weiterzugeben. Jeder Beteiligte um Frau Zimmer ist ein Zahnrad, ohne die die reibungslose Kooperation nicht funktioniert. Allen Beteiligten gebührt ein ganz besonderes Dankeschön für die positive Kraft des Einzelnen! Wir erhoffen uns, dass die Einstellung von Menschen mit Behinderung in Zukunft kein Experiment mehr ist, sondern zur Normalität wird.

Kontakt:

Diakonissen-Mutterhaus CECILIENSTIFT Halberstadt
Ina Klamroth
i.klamroth@cecilienstift.de

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